Fairpachten - für mehr Artenvielfalt auf den Feldern

Samstag, 28.02.2020

Das Foyer der Ollmersch-Halle in Hundsangen war Ende Februar mit rund 50 Teilnehmern und Teilnehmerinnen gut besucht, als der Umweltwissenschaftler und Bio-Landwirt Ralf Demmerle, das Projekt „Fairpachten“ vorstellte.

 

„Fairpachten“ startete bereits im Frühjahr 2018 mit seinem kostenlosen Beratungsangebot für alle, die landwirtschaftliche Flächen verpachten und sich mehr Natur wünschen.

 

„Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer können sich bei uns individuell informieren, wie sie in Absprache mit den Landwirtinnen und Landwirten mehr Naturschutz auf Ackerflächen, Wiesen und Weiden umsetzen können. So ist es zum Beispiel möglich, eine naturschonende Bewirtschaftung ohne Pestizide oder das Anlegen von Ackerrandstreifen mit Wildblumen in Pachtverträgen gemeinsam mit den jeweiligen Pächterinnen und Pächtern zu vereinbaren“, erklärt Regionalberater Demmerle.

 

Angesichts der stark schwindenden Artenvielfalt auf den intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen ist es ein guter Ansatz als Verpächter/in gemeinsam mit den Pächter/innen naturschonende Maßnahmen in die Ausgestaltung der Pachtverträge einzubringen. Denn Ursachen für den Rückgang der Biodiversität sind unter anderem eine immer intensivere Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen durch intensives Spritzen und Düngen, der Verlust von Struktur in der Landschaft – Hecken wurden gerodet, Feldwege untergepflügt sowie Wiesen und Ackerflächen entwässert.

Diese Thematik sorgte vor allem bei den anwesenden Landwirten und Landwirtinnen für regen Diskussionsbedarf während und nach dem Vortrag Demmerles. Darum betonte der gebürtige Rheinland-Pfälzer immer wieder das Ziel des Projektes Fairpachten: „Wenn Grundeigentümerinnen mehr Naturschutz auf ihren Flächen wünschen, dann ist es wichtig, dass sie mit den Pächtern in den Dialog treten, um gemeinsam zu schauen, was machbar ist.“

Das Fairpachten-Team berät die Verpächter/innen hinsichtlich der Vielzahl an geeigneten Naturschutzmaßnahmen, die es gibt und schaut, welche Maßnahmen für die jeweilige Fläche möglich und sinnvoll sind.

 

Gefördert wird das Projekt „Fairpachten – Gut beraten – Hand in Hand für die Natur“ durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des BMU im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Fairpachten ist ein Projekt der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe.

 

Weitere Infos zum Projekt finden Sie hier: www.fairpachten.org

 

Text und Bilder: Marcel Weidenfeller


Obstbäume fachgerecht schneiden

Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Naturschutzverein Hahn am See e.V.

Am Samstag, 15.02.2020

fand ein Obstbaumschnittkurs des Naturschutzvereines Hahn am See in Zusammenarbeit mit dem NABU Hundsangen und der Will und Liselott Masgeik Stiftung Molsberg statt. Mit 45 Teilnehmern war die Veranstaltung sehr gut besucht, somit war das Interesse an einem Obstbaumschnittkurs hoch.

Die Veranstaltung begann um 10:00 Uhr im Gemeindezentrum Hahn am See mit einem theoretischen Teil.

In diesem erklärten die Projektleiter Philipp Schiefenhövel und Marcel Weidenfeller Einiges zu den Schnitttechniken von Obstbäumen.

Bei der Pflege von Obstbäumen ist ein jährliches Schneiden von besonderer Bedeutung. Philipp und Marcel brachten dem Publikum nahe, wie diese Pflege am besten zu geschehen hat. Man lernte, dass es besonders wichtig ist, den Obstbaum in einer bestimmten Art und Weise, besonders in jungen Jahren, zu gestalten. Wenn eine solche Pflege unterbleibt, führt das zu Fehlbildungen der Krone und einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten, was einen verminderten Ertrag zur Folge hat.

Besonders häufig wird ein Obstbaum, insbesondere ein Apfelbaum, in der Pyramidenform erzogen. Dabei ist der Hauptleittrieb höher als die drei bis vier Seitenleittriebe, daher der Name. Bei der Länge der Seitenleittriebe ist zu beachten, dass immer eine sogenannte Saftwaage erreicht werden soll. Das bedeutet, die Äste auf die gleiche Länge einzukürzen.

Beim Obstbaumschnitt ist es ebenfalls wichtig, die Obstbaumsorte zu beachten, die geschnitten werden soll. Beim Kernobst, wie Apfel oder Birne erfolgt der Pflegeschnitt Ende Winter. Steinobst wie Pfirsich oder Sauerkirsche wird Anfang Herbst zurückgeschnitten.

Zu beachten ist ebenfalls, dass beim Kernobst nur die mehrjährigen Zweige Früchte tragen, beim Pfirsich beispielsweise tragen nur die einjährigen Zweige.

Nach dem interessant gestalteten Vortrag wurde um 12:00 Uhr ein kleines Mittagessen eingenommen, bevor es zum praktischen Teil auf einer ortsnahen Obstbaumwiese überging.

Dort wurde das Erlernte erst noch einmal unter Leitung von Philipp Schiefenhövel und Marcel Weidenfeller beim Pflanzen eines Baumes erprobt. Mit unterschiedlich farbigen Wäscheklammern wurden der Haupttrieb und die Seitenleittriebe gekennzeichnet. Die Teilnehmer durften dabei ihre Meinungen in den Raum werfen.

Danach wurde in zwei Gruppen der Obstbaumschnitt weiterhin fachkundig begleitet. Unter Erklärung wurden die Bäume geschnitten, wobei man Eigeninitiative zeigen konnte und beim Schneiden selbst Hand anlegen durfte. Das Wetter war traumhaft, weshalb die Letzten nach einem guten selbstgemachten Apfelwein erst um fast 17:00 Uhr die Veranstaltung verließen.

Bei diesem erlebnisreichen Kurs konnte jeder etwas dazulernen und mit dem erlangten Wissen ist es den Interessierten nun möglich geworden, ihre privaten Obstbäume eigenhändig zu pflegen.

Denn wichtig ist nicht, dass sie perfekt geschnitten werden, sondern, dass sie überhaupt gepflegt werden, wie Philipp Schiefenhövel und Marcel Weidenfeller mehrfach betonten.

Zum Abschluss Vielen Dank an Philipp Schiefenhövel von der Will und Liselott Masgeik Stiftung und an Marcel Weidenfeller vom NABU Hundsangen, ohne die dieser Kurs nicht möglich gewesen wäre und durch dessen professionelle Führung viel zu erlernen war. Einen weiteren Obstbaumschnittkurs der beiden Referenten wird es am Samstag den 14.3. ab 10 Uhr in Ötzingen geben. Hier wird der Obst- und Gartenbauverein Ötzingen zusammen mit der Masgeik-Stiftung und dem NABU Hundsangen Veranstalter sein. Eine Anmeldung bei Christoph Menges vom Obst- und Gartenbauverein Ötzingen unter 02602-70947 ist hierzu erforderlich.

(Text und Bild: Naturschutzverein Hahn am See e.V.)

Heimat unter der Lupe:

Heimat unter der Lupe: Veränderung der Westerwälder Vogelwelt im „Auf und Ab“ von 200 Jahren

Montag 20.2.2020

Der Naturschutzbund Hundsangen (NABU) hatte zu einem Vortrag ins Foyer der Ollmersch-Halle nach Hundsangen eingeladen. Diesmal ging es bei der sehr gut besuchten Veranstaltung um die Untersuchung der Vogelwelt in zwei Jahrhunderten. Referent des Abends war Antonius Kunz aus Nister von der „Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz“ (GNOR).

Nach Antonius Kunz und weiteren Vogelkundlern hat sich in den zurückliegenden Jahrhunderten die Vogelwelt des Westerwaldes in ihrer Artenzusammensetzung erkennbar verändert. Die Veränderungen betreffen sowohl Zuwanderungen wie auch Verluste bei den Brutvogelarten. Diese Veränderungen im Westerwald wurde vom Vogelexperten Kunz geschichtlich dokumentiert und mit Beispielen eindrucksvoll vorgestellt. Danach ist der Rückgang der Vogelarten weitgehend im Agrarland bzw. im Grünland und auf intensiv genutzten Flächen erfolgt und viele Arten sind bereits als Brutvögel verschwunden beziehungsweise werden nur noch in den Zugzeiten beobachtet.

Flurbereinigungen, Vergrößerungen der Acker- bzw. Feld-Schläge, Entwässerung von Nasswiesen, intensiverer Einsatz mineralischer Düngung, der Wegfall von Kleinstrukturen und der Wechsel von Heugewinnung zu Grünsilage und Maisanbau sind aktuell wie auch in den zurückliegenden Jahren auch nach Antonius Kunz die Hauptursachen für den Rückgang der Arten, und das nicht nur im Westerwald. Der Rückgang zahlreicher Feld- und Wiesenvögel wie Feldlerche und Braunkehlchen ist hierauf zurückzuführen. Auch der Kiebitz hat sein Vorkommen in der Verbandsgemeinde Wallmerod seit 28 Jahren aufgegeben. Weitere Wiesenvögel wie Bekassine, Wachtelkönig und Wiesenpieper sind sogar in großen Teilen des Westerwaldes und in vielen Naturschutzgebieten nur noch auf dem Durchzug im Frühjahr und Herbst zu beobachten.

Vögel des Waldes wurden aber auch durch neu eingebrachte Wirtschaftsbaumarten wie Fichte, Lärche oder Pappeln begünstigt. Gerade Fichten werden aber aktuell außerordentlich stark von Borkenkäfern befallen, die mehrere Generationen im Jahr bilden und dann die Wirtschaftlichkeit unserer Wälder beeinträchtigen. Während die Einführung der Fichte zur Einwanderung von Tannen- und Haubenmeise, Tannenhäher, Kreuzschnabel und Goldhähnchen geführt hat, sind deren Bestände durch das flächenhafte Absterben der Fichten massiv betroffen. In den heute älteren Eichen-, Buchen- und Mischwäldern hat die Anzahl von Spechten und Eulen durch das Älterwerden der Waldbestände erkennbar zugenommen. In älteren Mischwäldern wie z. B. im Gemeindewald von Hundsangen, können heute alte Eichen bewundert werden, die mit einem Alter von 250 Jahren und einem Umfang bis 5 m ein wahrer Blickfang darstellen.

Durch Untersuchungen, Erfassung und Veröffentlichungen wird dazu beigetragen, dass Beobachtungen und Veränderungen in der Natur dokumentiert, publiziert und so einem größeren Teil der Bevölkerung oder der Verwaltung zugänglich gemacht werden. So konnten mit Hilfe von Förderprogrammen mit der Landwirtschaft im Grünland und im Wald wichtige Erfolge für den Vogelschutz in europäischen FFH-Gebieten erzielt werden. Mit diesem Wissen tragen auch Antonius Kunz sowie viele weitere ehrenamtlich arbeitende Naturbeobachter und Naturschutzverbände durch ihre Tätigkeit und Anregungen bzw. Hinweise zum Schutz der großen Artenvielfalt des Westerwaldes bei.

 

Fotos: Marcel Weidenfeller

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Die Vogelarten des Westerwaldes
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